Oliver Doron Hoffmann
Oliver ist Sicherheitsunternehmer und Fachmann für Terrorabwehr. Den größten Teil seiner Arbeit macht die operative Praxis aus: Schutz bedrohter Personen und Organisationen, Sicherheitskonzepte für Hochrisiko-Umgebungen und Ausbildung weltweit. Die Streetwise Academy ist davon der sichtbare, kleinere Teil.
Biographie
Vom Bunker in die Mehlitzstraße
Herkunft
Oliver Doron Hoffmann ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Sechs Jahre alt war er, als seine Familie beschloss, nach Israel zu gehen. Das erste Schuljahr 1981 verbrachte er zur Hälfte im Unterricht und zur Hälfte im Luftschutzbunker; aus dem Libanon kamen Raketen. In dieses Jahr fällt auch der erste Terroranschlag, den er erlebt hat — mit der Mutter an der einen Hand und der Schwester an der anderen. „Das nimmt man nicht einfach so hin", sagt er heute darüber. Nach einem halben Jahr im Bunker entschied die Familie, zurück nach Deutschland zu gehen.
Nationalsozialismus
Die Familie stammt von hier. Sein Urgroßvater, der Rechtsanwalt Dr. Manfred Herzfeld, trat 1921 in eine Celler Kanzlei ein, die dadurch zu einer der größten des Oberlandesgerichtsbezirks wurde — und lange die einzige war, die von jüdischen Anwälten betrieben wurde. Nach dem Boykott vom April 1933 lag die Praxis binnen eines Jahres still. Seine Zulassung behielt er zunächst; was ihn schließlich vertrieb, war eine Straßenszene: Im August 1935 hinderten ihn SA-Leute in Hannover daran, ein jüdisches Geschäft zu betreten. Frau und Tochter waren da längst fort, 1933 und 1934. Er ging als Letzter, „fluchtartig", nach Jerusalem. Beim Novemberpogrom 1938 verwüsteten sie Kanzlei und Wohnung, obwohl beide leer standen. Drei Stolpersteine liegen heute vor dem Haus in der Schwicheldtstraße.
Nach der Schoa
Bemerkenswert ist, was danach kam: 1950 nahm Herzfeld ein Angebot der Jewish Restitution Successor Organization an und kehrte nach Deutschland zurück, um für Überlebende Wiedergutmachungsrecht zu betreiben — ab 1953 von Berlin aus, bis in die sechziger Jahre. Dass Schutz nichts Selbstverständliches ist, sondern etwas, das man organisieren muss, ist in dieser Familie keine Theorie. Und dass man zurückkommt, um ihn zu organisieren, offenbar auch nicht.
Der 11. September
An der Wand der Wilmersdorfer Halle hängt ein Bild der New Yorker Skyline nach dem 11. September 2001 — dort, wo die Zwillingstürme standen, ein Lichtdenkmal. Diesen Tag nennt Oliver eine Zäsur, persönlich und für seine Branche. Seither baut sich seine Arbeit von der Frage her auf, was Menschen und Einrichtungen tatsächlich schadet — und was dagegen wirkt.
Operative Arbeit
Den Kern bildet die operative Arbeit. Mit der High Risk Protection & Training Service schützt er bedrohte Personen und Organisationen, entwickelt Sicherheitskonzepte für Hochrisiko-Umgebungen und baut für Kunden einsatzbereite Krisenstabszentren auf.
Normale Menschen, Firmen, Clubs oder Baustellen können seine Firma nicht buchen. Er arbeitet ausschließlich für Personen und Organisationen, die durch Menschenfeinde bedroht sind — primär jüdische Gemeinden, israelische Organisationen, Menschenrechtsaktivist*innen und die zugehörigen NGOs. Nazis, Islamisten, Rassisten, Incels und Antisemiten haben bei ihm nichts zu lachen. Denn seine Firma tut, anders als andere, was getan werden muss, ohne zu zögern — sie „tut, was nötig ist", wie es die Süddeutsche Zeitung formuliert hat.
Er unterrichtet weltweit — Polizei, Militär und Sicherheitsdienstleister — und ist weiterhin persönlich in Krisenregionen unterwegs. Was er zu Ablauf, Dynamik und Wirkung von Anschlägen sagt, stammt aus fast drei Jahrzehnten dieser Praxis und nicht aus einer Lagebeurteilung vom Schreibtisch.
Krav Maga und die Academy
Seine Krav-Maga-Laufbahn begann 1997. Ausgebildet wurde er in Israel, wo er behördlich u. a. zum Nahkampf- und Schießtrainer gemacht wurde. 2014 eröffnete er die Streetwise Academy in der Mehlitzstraße in Berlin-Wilmersdorf: 350 Quadratmeter, zwei Hallen, rund zwanzig Trainerinnen und Trainer. Gemessen am Gesamtumfang seiner Tätigkeit ist die Academy der kleinere Teil — aber der öffentlich sichtbare, und der Ort, an dem das Wissen aus der operativen Arbeit an Zivilistinnen und Zivilisten weitergegeben wird.
Eine Konstante
Seine Einschätzung zum staatlichen Schutzniveau ist seit über zehn Jahren dieselbe. 2014 rechnete er in der Welt vor, dass ein deutscher Wachmann in seiner gesamten Ausbildung gerade einmal fünfzig Schuss abgibt — seine eigene Firma verbraucht im Training rund fünfzigtausend im Jahr. 2021 fasste er es im Tagesspiegel so zusammen: „Wir müssen oft ersetzen, was der Staat zurzeit noch nicht leistet." Dazwischen liegen Halle, Wien, Colleyville und der 7. Oktober.
Man muss immer das Unmögliche für möglich halten.
Der Tagesspiegel, 10. September 2021Bilder






Haltung
Es muss moralisch astrein sein
Wer in der Streetwise Academy trainieren will, führt zuerst ein Gespräch mit ihm. Er will wissen, wen er ausbildet: Keine potenziellen Gewalttäter, sondern Menschen, die sich verteidigen wollen. Alles, was er zeigt, dürfen seine Schülerinnen und Schüler nur einsetzen, um sich selbst oder anderen zu helfen. Als er einmal bemerkte, dass unter seinen Schülern ein Aktivist der rechtsextremen Identitären Bewegung war, setzte er ihn umgehend vor die Tür.
Diese Linie ist keine Privatsache, sondern schriftlich festgelegt. Der Ethik-Kodex der Academy — fünfzehn Grundsätze, an denen sich alle Instruktorinnen und Instruktoren messen lassen — beginnt mit null Toleranz gegenüber Menschenfeindlichkeit und benennt ausdrücklich, wer hier nicht unterrichtet wird: Nazis, Antisemiten, Islamisten, Rassisten, Incels.
Ebenso ausdrücklich steht dort, was nicht versprochen wird — etwa, dass Krav Maga jedes Problem löse. Stattdessen werden Grenzen und Möglichkeiten der eigenen Fähigkeiten benannt. Gewalt gilt als professionelles Mittel, aber als letztes und sorgfältig abgewogenes, mit dem Ziel, den Schaden auch beim Gegner so gering wie möglich zu halten. Und sie endet nicht an der Hallentür: Zivilcourage, Erste Hilfe und die Bereitschaft, für Schwächere einzutreten, stehen im Kodex gleichrangig neben allem Technischen.
Trainiere so viel, dass Du nicht töten musst.
Imi Lichtenfeld, zitiert im Ethik-Kodex der Streetwise AcademyMethode
Kontrolle übernehmen, statt zu kämpfen
Krav Maga heißt übersetzt Kontaktkampf, aber das Ziel ist nicht der Kampf. Es geht darum, Kontrolle zu übernehmen, um die Auseinandersetzung zu verhindern — das Gegenteil von Hilflosigkeit. Der größere Teil der Arbeit passiert deshalb, bevor überhaupt jemand die Hand hebt.
Was dann trainiert wird, folgt einer einfachen Regel aus dem Ethik-Kodex: Für jedes Problem gibt es genau eine Lösung, und die muss auch unter Stress flüssig ablaufen. Komplexität führt unter Druck zu Verwirrung.
Entsprechend unbequem ist das Training. Rauchanlage, Pyrotechnik, Lärm, Sirenen, Szenarien — es geht darum, unter Stress schnell und richtig zu entscheiden. Dazu gehört auch Ehrlichkeit über den Preis: Wer einen Messerangriff erfolgreich abgewehrt hat, trägt einer Studie zufolge im Schnitt neunzehn Verletzungen davon. Überlebt hat er, weil er sich gewehrt hat.
Und die Arbeit endet nicht bei der Technik. Mentale Stärke, Resilienz und der Umgang mit Angst stehen im Kodex gleichberechtigt neben den körperlichen Fähigkeiten — gerade für Menschen, die etwas erlebt haben.
Mit anderen über Ängste zu reden, ist enorm wichtig. Das Allerwichtigste ist, nicht allein damit umzugehen.
Jüdische Allgemeine, Dezember 2023Skill Sheet
Olivers Werte
Kein Bauchgefühl, sondern ein Profil: Wo seine Schwerpunkte liegen und wo andere im Haus stärker sind.
Fakten
Spezialisierungen
Die acht Achsen zeigen Schwerpunkte auf einer Skala von 1 (Grundlagen) bis 5 (Referenz im Haus) – keine Bewertung, sondern ein Profil. Der Krav-Maga-Level oben im Kopfbereich ist davon unabhängig; seine Farben entsprechen den Levelfarben im Training.
In den Medien
Wenn eine Lage läuft, rufen Redaktionen an
Oliver wird seit Jahren als Fachmann zu Terrorlagen, Antisemitismus und Selbstverteidigung befragt — im Fernsehen live während laufender Lagen, in Reportagen und Interviews. Was er dabei nicht tut: Spekulieren, Ermittlungen kommentieren oder Angst verstärken.
Anfragen
Wofür er gebucht wird
Vorträge und Fallanalysen für Unternehmen, Behörden, Redaktionen und Bildungseinrichtungen. Gefährdungsbeurteilungen und Schutzkonzepte für Organisationen. Live-Einordnung für Redaktionen bei akuten Lagen, kurzfristig, wenn der Kalender es hergibt. Thema, Tiefe und Länge werden vorher abgestimmt.
Persönlich
Olivers Empfehlungen
Was er hört, liest und sieht – und was das mit der Arbeit zu tun hat.
Olivers Playlist
Musik im Training
Was auf der Anlage läuft, wenn er selbst auf der Matte steht.
Buch-Tipp
Der Gesang der Flusskrebse
Delia Owens erzählt von einem Menschen, der allein überlebt, weil er seine Umgebung genauer liest als alle anderen. Wahrnehmung ist kein Bauchgefühl, sondern eine Fertigkeit — das ist der rote Faden zu allem, was wir unterrichten.
Zum Buch ›Film-Tipp
Train Dreams (2025)
Auf Netflix. Ein stiller Film über ein Leben, das von Ereignissen umgeworfen wird, die niemand kommen sah — und über die Frage, was danach trägt.
Zum Film ›Auf der Matte oder im Vortragsraum
Oliver unterrichtet weiterhin selbst in der Academy. Wer ihn erleben will, kommt am einfachsten ins Probetraining — oder bucht ihn für einen Vortrag.
Oliver Doron Hoffmann
Oliver is a security entrepreneur and counter-terrorism specialist. Most of his work is operational practice: protecting threatened people and organisations, security concepts for high-risk environments, and training worldwide. The Streetwise Academy is the visible, smaller part of it.
Biography
From the Bunker to Mehlitzstraße
Origins
Oliver Doron Hoffmann was born and raised in Berlin. He was six years old when his family decided to move to Israel. He spent half of his first school year, 1981, in class and the other half in an air-raid shelter; rockets were coming in from Lebanon. That year also brought the first terrorist attack he ever experienced — his mother holding one hand, his sister the other. „You don’t just let that stand", he says about it today. After six months of bunker life, the family decided to return to Germany.
National Socialism
The family’s roots are here. His great-grandfather, the lawyer Dr. Manfred Herzfeld, joined a law firm in Celle in 1921, making it one of the largest in the region — and for a long time the only one run by Jewish lawyers. After the boycott of April 1933, the practice fell silent within a year. He initially kept his admission to the bar; what finally drove him out was a street scene: in August 1935, SA men in Hanover barred him from entering a Jewish shop. His wife and daughter had long since left, in 1933 and 1934. He was the last to go, „in headlong flight", to Jerusalem. During the November pogrom of 1938 they ransacked his office and his home, although both stood empty. Three Stolpersteine lie in front of the house on Schwicheldtstraße today.
After the Shoah
What came next is remarkable: in 1950, Herzfeld accepted an offer from the Jewish Restitution Successor Organization and returned to Germany to practise restitution law for survivors — from 1953 based in Berlin, well into the sixties. That protection is not a given but something you have to organise is no abstract theory in this family. And neither, apparently, is coming back to organise it.
September 11
On the wall of the Wilmersdorf hall hangs a picture of the New York skyline after September 11, 2001 — a memorial of light where the Twin Towers stood. Oliver calls that day a turning point, personally and for his industry. Ever since, his work has been built around one question: what actually harms people and institutions — and what works against it.
Operational Work
Operational work forms the core. With High Risk Protection & Training Service, he protects threatened people and organisations, develops security concepts for high-risk environments and builds fully operational crisis-management centres for clients.
Ordinary individuals, companies, clubs or construction sites cannot book his firm. He works exclusively for people and organisations threatened by those who hate them — primarily Jewish communities, Israeli organisations, human-rights activists and their NGOs. Nazis, Islamists, racists, incels and antisemites get no quarter here. Because his firm, unlike others, does what needs to be done without hesitation — it „does what is necessary", as the Süddeutsche Zeitung put it.
He teaches worldwide — police, military and security providers — and still travels to crisis regions himself. What he says about the course, dynamics and impact of attacks comes from almost three decades of this practice, not from a desk-based assessment.
Krav Maga and the Academy
His Krav Maga career began in 1997. He was trained in Israel, where state authorities certified him as, among other things, a close-combat and firearms instructor. In 2014 he opened the Streetwise Academy on Mehlitzstraße in Berlin-Wilmersdorf: 350 square metres, two halls, around twenty instructors. Measured against the full scope of his work, the Academy is the smaller part — but the publicly visible one, and the place where knowledge from operational work is passed on to civilians.
A Constant
His assessment of the level of state protection has been the same for over ten years. In 2014 he calculated in Welt that a German security guard fires just fifty rounds in his entire training — his own company goes through around fifty thousand a year. In 2021 he summed it up in Tagesspiegel like this: „We often have to replace what the state cannot yet provide." In between lie Halle, Vienna, Colleyville and October 7.
You always have to consider the impossible possible.
Der Tagesspiegel, September 10, 2021Principles
It has to be morally clean
Anyone who wants to train at the Streetwise Academy first has a conversation with him. He wants to know who he is training: no potential perpetrators of violence, but people who want to defend themselves. Everything he teaches may only be used by his students to help themselves or others. When he once noticed that one of his students was an activist of the far-right Identitarian movement, he showed him the door immediately.
This line is not a private matter — it is set down in writing. The Academy’s Code of Ethics — fifteen principles all instructors are held to — begins with zero tolerance for hatred and states explicitly who will not be taught here: Nazis, antisemites, Islamists, racists, incels.
The code is just as explicit about what is not promised — for instance, that Krav Maga solves every problem. Instead, it names the limits and possibilities of one’s own abilities. Violence counts as a professional tool, but as the last and most carefully weighed one, with the goal of keeping harm — including to the attacker — as low as possible. And it does not end at the gym door: civil courage, first aid and the willingness to stand up for the weaker rank equally with everything technical in the code.
Train so well that you never have to kill.
Imi Lichtenfeld, as quoted in the Streetwise Academy Code of EthicsMethod
Taking control instead of fighting
Krav Maga translates as contact combat, but the goal is not the fight. It is about taking control in order to prevent the confrontation — the opposite of helplessness. That is why the larger part of the work happens before anyone even raises a hand.
What is trained then follows a simple rule from the Code of Ethics: for every problem there is exactly one solution, and it has to run smoothly even under stress. Complexity leads to confusion under pressure.
The training is correspondingly uncomfortable. Smoke machines, pyrotechnics, noise, sirens, scenarios — it is about deciding fast and deciding right under stress. That includes honesty about the price: according to one study, someone who has successfully fended off a knife attack carries an average of nineteen injuries from it. He survived because he fought back.
And the work does not end with technique. Mental strength, resilience and dealing with fear stand on equal footing with physical skills in the code — especially for people who have been through something.
Talking to others about fears is enormously important. The most important thing of all is not to deal with them alone.
Jüdische Allgemeine, December 2023Skill Sheet
Oliver’s Profile
Not a gut feeling but a profile: where his strengths lie — and where others in the house are stronger.
Facts
Specializations
The eight axes show focus areas on a scale from 1 (fundamentals) to 5 (in-house reference) — not a rating but a profile. The Krav Maga level in the header is independent of this; its colours match the level colours used in training.
In the Media
When a situation is unfolding, newsrooms call
For years, Oliver has been consulted as an expert on terrorist situations, antisemitism and self-defence — live on television while situations unfold, in features and interviews. What he does not do: speculate, comment on investigations or amplify fear.
Booking
What he is booked for
Lectures and case analyses for companies, government agencies, newsrooms and educational institutions. Threat assessments and protection concepts for organisations. Live analysis for newsrooms during unfolding situations, at short notice when the calendar allows. Topic, depth and length are agreed in advance.
Personal
Oliver’s Recommendations
What he listens to, reads and watches — and what it has to do with the work.
Oliver’s Playlist
Music in training
What plays on the sound system when he is on the mat himself.
Book tip
Where the Crawdads Sing
Delia Owens tells the story of a person who survives alone because she reads her surroundings more closely than anyone else. Perception is not a gut feeling but a skill — that is the thread running through everything we teach.
View the book ›Film tip
Train Dreams (2025)
On Netflix. A quiet film about a life upended by events nobody saw coming — and about what carries you afterwards.
View the film ›On the mat or in the lecture room
Oliver still teaches at the Academy himself. The easiest way to experience him is a trial session — or book him for a lecture.