
The Lockdown
Praktischer Datenschutz ohne Alles-oder-nichts-Haltung. Ray Heffer nimmt sich pro Folge ein Thema vor — Passwortverwaltung, sicheres Surfen, die eigene Datenspur — und erklärt, was davon im Alltag wirklich trägt.
Open Source Intelligence
Was über Euch im Netz steht — und wer es findet
OSINT heißt Open Source Intelligence: das systematische Sammeln, Prüfen und Verknüpfen von Informationen aus frei zugänglichen Quellen. Kein Hacking, kein Einbruch in fremde Systeme — sondern Geduld, Methode und das Wissen, wo man hinschaut. Diese Seite erklärt, was OSINT ist, wer es benutzt und warum es beide Seiten hat.
Die Grundidee
Eine einzelne Information ist meistens harmlos. Ein Foto vom Balkon. Ein Vereinseintrag. Eine Bewertung beim Lieferdienst. Der Name des Arbeitgebers auf einem Karriereportal. Für sich genommen sagt nichts davon viel. Der Punkt bei OSINT ist nicht die einzelne Fundstelle, sondern die Verknüpfung: Aus zwanzig belanglosen Details entsteht ein Bild, das niemand jemals bewusst preisgegeben hat — Wohnort, Tagesablauf, Familienstand, Urlaubszeiten, das Auto vor der Tür.
Genau deshalb ist OSINT weder gut noch böse. Es ist eine Methode. Dieselben Handgriffe, mit denen eine Ermittlerin einen Vermissten findet, benutzt ein Stalker, um eine Adresse zu rekonstruieren. Wer verstehen will, wie er sich schützt, muss zuerst verstehen, wie gesucht wird.
Die Quellen
Offen zugänglich heißt: Ohne Passwortbruch erreichbar. Das ist deutlich mehr, als die meisten vermuten.
Profile, Freundeslisten, Kommentare, alte Beiträge, markierte Fotos — auch die von anderen. Was gelöscht wurde, lebt oft in Archiven weiter.
Handels- und Vereinsregister, Impressen, Grundbuchauszüge, Ausschreibungen, Gerichtsentscheidungen, Bekanntmachungen.
Satelliten- und Straßenaufnahmen, Immobilienportale, Restaurantfotos, Wetterdaten und Schattenwurf zur Zeitbestimmung.
In Fotos, PDFs und Office-Dateien stecken Aufnahmezeit, Gerät, Bearbeiter und manchmal Koordinaten — unsichtbar, aber auslesbar.
Webarchive, Suchmaschinen-Zwischenspeicher, alte Vereinszeitungen, gescannte Jahrbücher, Zeitungsarchive.
Aus früheren Einbrüchen bei Anbietern stammende Zugangs- und Kundendaten zirkulieren dauerhaft weiter und sind auffindbar.
Wer und wofür
Beide Spalten benutzen dieselben Werkzeuge. Der Unterschied liegt im Auftrag, in der Dokumentation und in der Rechtsgrundlage — nicht in der Technik.
Ein Berufsbild
Ein OSINT Investigator ist kein Hacker mit Kapuze, sondern näher an einer Rechercheurin oder einem Archivar. Die Arbeit besteht zu neunzig Prozent aus Lesen, Sortieren und Gegenprüfen. Typisch ist ein klarer Ablauf: Eine präzise Fragestellung statt mal schauen, was man findet, eine Quellensammlung mit Zeitstempel und Fundort, die Verifikation jeder Behauptung über mindestens eine zweite unabhängige Quelle, und am Ende ein Bericht, der auch dann standhält, wenn ihn ein Gericht oder eine Redaktion auseinandernimmt.
Entscheidend ist, was nicht dazugehört: Kein Anlegen falscher Identitäten zur Kontaktaufnahme, kein Umgehen von Zugangsschranken, kein Eindringen in geschützte Bereiche. Wer diese Linie überschreitet, macht aus Recherche eine Straftat — und aus einem verwertbaren Bericht Altpapier.
Medien
Redaktionen bekommen heute Material, das niemand aus der eigenen Redaktion aufgenommen hat: Ein Video aus einem Messenger, ein Foto von einem anonymen Konto, ein Screenshot ohne Kontext. Die Frage ist immer dieselbe — stimmt das, und woher wissen wir das? OSINT liefert die Antworten: Bildrückwärtssuche gegen ältere Veröffentlichungen, Geolokalisierung anhand von Gebäuden, Schildern und Bergketten, Zeitbestimmung über Schattenwurf und Wetterdaten, Abgleich von Behauptungen mit öffentlichen Registern.
Diese Fertigkeiten sind längst kein Spezialgebiet mehr für ein paar Investigativteams. Sie sind Handwerkszeug — so selbstverständlich wie die Gegenrecherche beim Telefonieren. Wer sie nicht hat, veröffentlicht im Zweifel eine Fälschung, und zwar in guter Absicht.
Die Gegenrichtung
OPSEC steht für Operational Security und ist gewissermaßen OSINT von der anderen Seite gedacht: Nicht was finde ich über andere, sondern was findet jemand über mich, und was mache ich dagegen. Der Begriff stammt aus dem militärischen Bereich, das Denkmuster funktioniert aber für jede Privatperson und jedes Unternehmen. Es besteht aus fünf Schritten.
OPSEC ist kein Zustand, sondern eine Gewohnheit. Der häufigste Fehler ist nicht ein technisches Versäumnis, sondern die Annahme, einmal aufgeräumt zu haben reiche für immer.
Begriffsklärung
Im Alltag werden drei Dinge durcheinandergeworfen. Das Surface Web ist alles, was Suchmaschinen indexieren — ein erstaunlich kleiner Teil des Netzes. Das Deep Web ist alles, was hinter einer Anmeldung oder in einer Datenbank liegt: Ihr Online-Banking, das Intranet Ihrer Firma, Ihr Mailpostfach. Das ist völlig unspektakulär und macht den Löwenanteil aus. Das Darknet schließlich ist ein sehr kleiner Ausschnitt, der nur über besondere Netzwerke wie Tor erreichbar ist und dessen Betreiber und Nutzer bewusst anonym bleiben.
Wer also sagt, seine Daten seien im Darknet gelandet, meint fast immer: Daten aus einem Einbruch bei einem Anbieter werden in einschlägigen Foren gehandelt. Für OSINT ist dieser Bereich relevant, weil dort Zugangsdaten, Adresslisten und Ausweiskopien auftauchen — und weil ein Abgleich zeigt, ob die eigenen Daten betroffen sind. Er ist aber keineswegs der Hauptschauplatz. Der weitaus größte Teil dessen, was über eine Person zu finden ist, steht offen im normalen Netz.
Rahmen
Frei zugängliche Informationen zu lesen ist zulässig. Sie zu speichern, zu verknüpfen und weiterzugeben, ist es nicht automatisch: Sobald personenbezogene Daten systematisch zusammengeführt werden, greift die Datenschutz-Grundverordnung, und für eine Verarbeitung braucht es eine Rechtsgrundlage. Das Umgehen technischer Schutzmaßnahmen ist strafbar, das Ausspähen von Daten ebenso. Auch das Anlegen eines falschen Profils, um an Informationen zu kommen, bewegt sich schnell außerhalb des Zulässigen.
In unseren Kursen bleibt deshalb alles in einem klaren Rahmen: Wir arbeiten ausschließlich mit offenen Quellen, mit Einverständnis der Beteiligten und an Beispielen, die niemanden bloßstellen. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Zum Weiterhören
OSINT lernt man nicht nur im Seminar. Diese drei Sendungen begleiten das Thema aus drei Richtungen — Selbstschutz, Angriffsgeschichten und das Handwerk der Recherche. Alle drei laufen auf Englisch und sind kostenlos.

Ray Heffer · Englisch
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