Ein-Tages-Kurs · HEAT-Modul

Drohnengefahr im Frontbereich

Counter-Drone Awareness · Lagebewusstsein und Eigenschutz für Nicht-Kombattanten

Für Menschen, die frontnah arbeiten, ohne Teil der Auseinandersetzung zu sein: Humanitäres Personal, Reporterinnen und Reporter, Sanitäter und Rettungskräfte. Der Kurs macht aus Betroffenen keine Drohnenpiloten — er macht sie zu Nicht-Kombattanten, die eine Bedrohung früh erkennen, richtig einschätzen und einen Vorfall überstehen.

Zielgruppe

Für wen dieser Kurs ist

Grundsatz: Erkennen · Einschätzen · Sich schützen — nicht einsetzen

Dieser Kurs ist rein defensiv. Er vermittelt Schutz- und Lagewissen. Nicht Gegenstand sind Bau, Bewaffnung, Zielauswahl, Angriffstaktik, offensives Jamming oder das Überwinden von Abwehrsystemen. Nicht-Kombattanten brauchen keine Angriffsfähigkeit — sie brauchen die Fähigkeit, geschützt zu bleiben.

Humanitär

Entwicklungshelfer

Humanitäres Personal, das in oder nahe an aktiven Gebieten arbeitet — mit Schutzstatus, aber ohne Schutzwirkung durch Ausrüstung.

Medien

Kriegs- und Krisenreporter

Wer aus dem Frontbereich berichtet, bewegt sich sichtbar, oft mit Equipment, das aus der Luft missdeutet werden kann.

Rettung

First Responder & Sanitäter

Rettungskräfte im frontnahen Einsatz, für die Eigensicherung und Versorgung unter Drohnenbedrohung zusammengehören.

Allgemein

Frontnah ohne Kombattanten-Status

Alle, die beruflich in einem Umfeld unterwegs sind, in dem Drohnen zum Alltag gehören — Logistik, Technik, Koordination.

Lernziele — am Ende des Tages

  • Drohnentypen und ihr Verhalten sicher erkennen
  • Die eigene Gefährdung realistisch einschätzen
  • Die Reaktionssequenz unter Bedrohung beherrschen
  • Den rechtlichen Schutzstatus kennen und sichtbar machen
  • Nach einem Vorfall richtig handeln

Theorie · Modul 1 bis 3

Verstehen, einschätzen, rechtlich einordnen

Modul 1 · Drohnen verstehen

Typen und ihr Verhalten

Multicopter, FPV, Starrflügler und großes Fluggerät mit langer Stehzeit — was jede Bauart kann und woran man sie erkennt. Bewusst ohne Bauspezifikationen.

  • Multicopter: Schwebt, kreist, beobachtet, niedrige Höhe, oft hörbar
  • FPV: Sehr schnell, gerader Anflug, kurze Vorwarnzeit
  • Starrflügler: Flugzeugähnlich, hoch, lange Kreisbahnen, kaum hörbar
  • Lange Stehzeit: Verweilt über dem Gebiet, signalisiert aktives Gelände

Für den Eigenschutz zählt nicht das Modell, sondern das Verhalten: Beobachtet sie mich — oder kommt sie auf mich zu?

Modul 1 · Erkennen

Sicht und Akustik

Die ersten Sekunden entscheiden. Wer das Geräusch ignoriert, verliert die wertvollsten davon.

  • Kleiner dunkler Punkt am Himmel, der nicht zieht wie ein Vogel
  • Kreisen über einem Punkt heißt: es wird beobachtet
  • Gerader, schneller Anflug heißt: Unmittelbare Gefahr
  • Hohes Summen, oft vor dem Sehen wahrnehmbar; lauter werdend heißt näher kommend
  • Motoren aus, kurz still sein, gezielt lauschen — Lärmkulisse verdeckt Drohnen

Faustregel: Erst hören, dann sehen, dann handeln.

Modul 2 · Bedrohungslage

Warum auch Nicht-Kombattanten gefährdet sind

  • Verwechslung: Gruppen, Fahrzeuge oder Ausrüstung werden aus der Luft fälschlich als militärisch eingestuft
  • Nähe zu Zielen: Wer nah an Konvois oder Stellungen arbeitet, gerät in deren Wirkungsbereich
  • Beobachtung: Routine und feste Wege machen berechenbar — und angreifbar
  • Vorsätzliche Angriffe: Auch geschützte Personen werden völkerrechtswidrig angegriffen

Die Gefährdung ist real, aber zu großen Teilen beeinflussbar.

Modul 3 · Recht & Schutzstatus

Humanitäres Völkerrecht in der Praxis

Unterscheidung, geschützte Personen, Verlust des Schutzes bei unmittelbarer Teilnahme an Feindseligkeiten — und warum Verhältnismäßigkeit kein verlässlicher Schutz ist.

  • Eindeutig kennzeichnen, auch von oben sichtbar: PRESS, MED, Organisationslogo
  • Deconfliction: Standorte und Routen mit den Koordinierungsstellen abstimmen
  • Abstand zu militärischen Objekten halten — räumlich und zeitlich
  • Keine waffenähnlichen Gegenstände oder Gesten in Richtung Drohne
  • Status dokumentieren: Ausweise, Akkreditierung

Modul 4 · Das Herzstück

Die Reaktionssequenz

Fünf Schritte, die unter Stress automatisch ablaufen müssen. Sie werden im Trockenlauf eingeführt und im Praxisblock so lange wiederholt, bis sie sitzen — eingeübt, nicht improvisiert.

01

Stopp

Bewegung einfrieren. Bewegung zieht Blicke und Sensoren an.

02

Hören

Lärm aus, kurz still. Richtung und Nähe bestimmen.

03

Orten

Die Drohne und ihr Verhalten finden: Beobachtet sie oder fliegt sie an?

04

Deckung

Harte Deckung suchen — nicht nur Sichtschutz.

05

Kennzeichnen

Als Nicht-Kombattant erkennbar bleiben, ruhig handeln.

Grundregel

Deckung schlägt Sichtschutz

Hart heißt Beton, Mauerwerk, Erdwall, Motorblock — das stoppt Splitter und Wirkung. Ein Busch verbirgt nur, er schützt nicht.

Grundregel

Gruppe und Fahrzeug

Nicht zusammendrängen, sondern verteilen. Ein Fahrzeug bietet Mobilität, ist aber ein auffälliges Ziel — aussteigen und Deckung kann sicherer sein.

Modul 5 und 6

Signaturmanagement, Zwischenfall und danach

Modul 5

Berechenbarkeit vermeiden

Routen, Zeiten und Sammelpunkte variieren. Muster sind aus der Luft leicht zu lesen.

Modul 5

Richtig sichtbar sein

Sichtbar als Nicht-Kombattant, unsichtbar als Muster. Nicht tarnen wie ein Kämpfer — das erhöht das Verwechslungsrisiko.

Modul 5

Umfeld: Gestörte Funklage

In aktiven Gebieten können GPS und Funk gestört sein, auch die eigenen Geräte. Redundante Navigation und Kommunikation einplanen.

Modul 6 · 1

Eigensicherung

Zweitschlag einplanen: Nicht sofort ins Freie. Kurz abwarten, Lage prüfen, dann handeln.

Modul 6 · 2

Versorgung

Lebensbedrohliche Blutungen zuerst, nach TECC und MARCH. Verletzte in Deckung versorgen, nicht im Offenen.

Modul 6 · 3 und 4

Melden und danach

Vorfall an die Koordinierungsstelle melden, Standort und Lage durchgeben. Danach Verlegung, Dokumentation, Nachsorge — psychische Belastung ernst nehmen.

Wo die Grenze verläuft

Counter-UAS und Jamming sind Sache der Streitkräfte. Für uns zählt nur, dass es das eigene Umfeld stört — wir umgehen es nicht, wir planen dafür.

Praxisblock · mit echter Drohne

Erkennen und reagieren im Gelände

Der Nachmittag gehört den Übungen. Eine handelsübliche Kameradrohne fliegt in verschiedenen Höhen und Distanzen, die Teilnehmenden benennen, was sie sehen und hören — und laufen die Reaktionssequenz so oft durch, bis sie ohne Nachdenken abläuft. Die Praxisblöcke sind der Kern des Tages und werden nicht gekürzt; bei schlechtem Wetter verlegen wir das Erkennungslabor in eine Halle.

Übung 1

Erkennungslabor

Die Drohne fliegt in wechselnden Höhen und Distanzen. Ihr benennt Höhe, Distanz und Verhalten: Kreist sie oder ist sie im Transit?

Übung 2

Akustik-Drill

Augen geschlossen oder abgewandt, Hand heben, sobald die Drohne hörbar ist. Schult das Gehör als Frühwarnsystem.

Übung 3

Reaktions-Drill

Auf akustisches Signal die vollständige Sequenz im Gelände — Stopp, Hören, Orten, Deckung, Kennzeichnen — mit Zeitnahme.

Übung 4

Kennzeichnungs-Check

Aus Drohnensicht gefilmt: Wie gut sind PRESS, MED und die Gruppe als Nicht-Kombattanten erkennbar? Auswertung gemeinsam.

Counter-Drone Awareness für zivile Einsatzkräfte — Kursgrafik der Streetwise Academy Berlin
Awareness · Modul Drohne — Drohnen-Lagebewusstsein, ziviler Schutz, Eigenschutz

Sicherheit im Praxisblock

  • Die Drohne fliegt ein geschulter Pilot, niemals über Köpfen
  • Klar abgegrenzte Übungsfläche, Genehmigungen und Flugrecht vorab geklärt
  • Ausschließlich Kamera- und Beobachtungsdrohne, keinerlei Nutzlast
  • Kein realer Abwurf — alles simuliert

Tagesplan

Ein pragmatischer Trainingstag

Richtwerte. Beginn und Pausen passen wir an Eure Anreise an, die Praxisblöcke bleiben in voller Länge.

ZeitInhaltFormat
08:30Begrüßung, Sicherheitsbrief, LernzieleTheorie
09:00Modul 1 · Drohnen verstehen und erkennenTheorie
10:15Pause
10:30Modul 2 · Bedrohung für Nicht-KombattantenTheorie
11:15Modul 3 · Recht und SchutzstatusTheorie
12:00Mittagspause
13:00Modul 4 · Verhalten unter Bedrohung, mit TrockenübungTheorie + Praxis
14:15Praxis 1 · Erkennungslabor mit echter DrohnePraxis
15:15Pause
15:30Praxis 2 · Reaktionsdrills im GeländePraxis
16:30Modul 5 und 6 · Signaturmanagement, Zwischenfall und danachTheorie
17:15Debrief, Merkzettel, Abschluss

Termine & Buchung

Der nächste Termin

01

Termin

30. August 2026

1 Tag · ca. 8 Stunden

Max. 16 Teilnehmende · DE/EN

Noch 12 Plätze frei

Weitere Termine

Termin folgtTermin folgt
02

Tarife

Regular

199 €

Mitglied

129 €

Inklusive laminiertem Merkzettel mit Erkennungsmerkmalen, Reaktionssequenz und Verhalten nach einem Vorfall. Geschlossene Gruppen, Inhouse-Termine und HEAT-Module auf Anfrage.

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